Pioniere aus Eis und Stahl

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war die Zeit am Arlberg reif für Erfindungen, die die Skiwelt veränderten.

Hannes Schneider Skipionier, 1890 – 1955

Hannes Schneider, Skipionier
Mit Schwung und Eleganz

Johann Hannes Baptist Schneider kam zum Skisport, nachdem er als achtjähriger Bub im Winter 1898/99 den Skipionier Viktor Sohm aus Dornbirn bei einer seltsamen Tätigkeit beobachtete. Denn er nutzte die Ski nicht einfach, um sich über den Schnee zu bewegen, nein! Er freute sich an der Geschwindigkeit und hatte hatte einfach richtig Spaß.

Hannes Schneider ließ sich vom Stubener Schlittenbauer Mathies ein paar Skier anfertigen und fuhr so ziemlich alles ab, was ihm unter die Bretter kam. Später wurde er auch Victor Sohms Schüler.

Während seinerzeit der Kristiana-Bogen und die Lilienfelder Skilauf-Technik von Mathias Zdarsky vorherrschte (in V-Stellung gefahrener Stemmbogen mit Stock), brach Hannes Schneider mit dieser Tradition.

Schneiders Arlbergtechnik (Stemmbogen, kleine Bögen, die zwei Stöcke und die tiefe Hocke hatte er wahrscheinlich von Oberst Georg Bilgeri, einem weiteren Skipionier des Arlbergs, übernommen) verbesserte die Körperkontrolle und somit auch die fahrerischen Möglichkeiten im alpinen Umfeld.

"Skifahren ist die einfachste Sache der Welt"
...fand Hannes Schneider. Und in der Tat: Mit seiner Technik sah das Skifahren so einleuchtend und offensichtlich aus, dass viele ihre Scheu vor dem Skisport ablegten und sich selbst auf die Bretter wagten.

Man kann Hannes Schneider gar nicht dankbar genug sein, denn er brachte Eleganz in den Skisport: Während man vormals die Hänge in der Norweger-Technik hinabtelemarkte, setzte Hannes Schneider dem die Arlbergtechnik entgegen.
Er zählte übrigens auch zu den Gründern des ersten Skiclubs Österreichs, dem Skiclub Arlberg in St. Christoph.

Nicht zu vergessen seine Filmkarriere, an die das Skirennen der weiße Rausch alljährlich erinnert.
Schneiders Erfolg ist eng verbunden mit dem Namen des Touristikers und Seilbahnpioniers Rudolf Gomperz, der die neue Skitechnik in der Schriftform veranschaulichte (Schneider war kein Mann des Wortes). Leider erlebte Rudolf Gomperz die Karriere Hannes Schneiders nicht mehr (weitere Lektüre: Quelle 1/ 2 ).

Heute befindet sich seine Denkmäler in Stuben bei seinem Geburtshaus, in St. Anton am Arlberg, an mehreren Orten in Japan und in North Conway (USA).

Sepp Bildstein Skipionier, 1891 – 1970

Sepp Bildstein, Skipionier
Mit Kopf und Kragen

Als Schüler des Bregenzer Skipioniers Viktor Sohm kam Josef Sepp Bildstein früh zum Skisport, in dem er es zu mehrfacher Meisterschaft brachte und diverse Skisprungrekorde aufstellte. Und wie so oft war auch hier das Unglück die Mutter der Innovation: Nach einem Beinbruch, den er bei einem Skispringen in Graz erlitten hatte, erfand Sepp Bildstein die erste Sicherheitsbindung, die er 1925 zum Patent brachte.

Nach Beendigung seiner Karriere übersiedelte er nach Deutschland (wo er bei Daimler schaffte), aber blieb dem Skisport verbunden durch den Bau mehrerer Liftanlagen. Zusammen mit Emil Doppelmayr (der Name müßte eigentlich jedem schon mal aufgefallen sein, der etwas länger an einem Skilift angestanden hat) realisierte er den ersten Schlepplift in Zürs, in den Folgejahren noch 15 weitere im Großraum Lech Zürs.
Ein Teil dieser Anlagen bilden den berüchtigten Weißen Ring, das längste Skirennen der Welt.


Anton Kästle

© Wirtschaftsarchiv

Wer gern Ski fährt, dem ist der Name wahrscheinlich ein Begriff: Anton Kästle, der Begründer der gleichnamigen Ski-Marke, mit der sich so klingende Namen wie Pirmin Zurbriggen oder Toni Sailer verbinden.

Anton Kästle hatte 1924 die zündende Idee, in der Wagnerei seines Vaters statt Wagenrädern die ersten Ski aus Eschenholz herzustellen. Damals brachte er die Exemplare in Kleinserie unter dem Namen "Arlberg" auf den Markt.
Zwischenzeitlich verschwand die Marke Kästle vom Markt, wurde erfreulicherweise 2007 mit Erfolg wiederbelebt.

Die Geschichte von Kästle nacherleben und alte Ski bewundern können Sie übrigens im Kästle-Museum seit 2009 in Lech an der Rüfikopf Bergstation.


Wer sich generell für das Thema interessiert, dem sei das Buch Spuren – Skikultur am Arlberg ans Herz gelegt. (HG G. Schoder und B. Tschofen, www.bertoliniverlag.at)



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